Die Fischerzunft in früheren Jahren

Im Mittelalter schlossen sich die erbberechtigten Fischer von Steinheim, Groß-Auheim und Dietesheim zur gemeinsamen Ausübung ihres Berufs und zur geregelten Aufsichtsführung zusammen, um den Fischbestand zu schonen und jedem Fischer sein Brot zu geben.

Damals war es eine Hauptsorge der Regierungen, den Fischbestand zu erhalten, zum Segen der Fischer und zum Wohle der Allgemeinheit. Die Fische waren damals, da der Verbrauch der Seefische im Binnenland noch nicht möglich war, ein Hauptnahrungsmittel für die Bevölkerung. Deshalb kümmerte sich die Regierung durch Verordnungen um geregelten Fischfang und die weidgerechte Ausübung der Fischerei in den Zünften.

So gaben die Kurfürsten von Mainz als oberste Landesherren ihren Fischerzünften Ordnungen, die Grundsätzliches zur Erhaltung des Fischbestandes und zur Organisation der Fischerzunft enthielten.

In einer Urkunde des Kurfürsten Berthold von Henneberg aus dem Jahre 1500, die sich als älteste Urkunde bei den Akten der Steinheimer Fischerzunft befindet, wurden:

1. die Netze untersagt, die sich zu Massenfängen besonders eignen. Dies waren damals das Stellnetz, das Wurf- und der Breitgarn.

2. durften nicht mehr als sechs Fischer mit Schnepplausen auf das Wasser fahren.

3. durfte kein Fischer mehr als 100 Reusen in das Wasser legen.

4. kein Fisch durfte in solchem Alter gefangen werden, in welchem er zur Fortführung seiner Art noch nichts hatte beitragen können (sogenannte untermaßige Fische).

5. Schonzeit bestand bis zum St. Jakobstag (25. Juli), aber während dieser Schonzeit durfte an zwei Tagen in der Woche gefischt werden.

Nach der Ordnung von 1590 lagen bereits die Fischereigrenzen der Frankfurter, Kesselstädter, Steinheimer und Seligenstädter Fischerzunft in etwa fest. Danach durften die Steinheimer Fischer nicht über die Hainstädter Bach, dem sogenannten Pech- oder neuen Graben, der unteren Grenze der Seligenstädter Zent, mit dem schweren Garn fischen, und die Seligenstädter hatten mainaufwärts ihre Grenzen mit schweren Garnen an der sogenannten Grasbrücke, der heutigen Grenze zwischen Bayern und Hessen. Hier begann der Fischereibezirk der Aschaffenburger Zunft. Dagegen durften die Seligenstädter Fischer mit fliegendem Garn, d.h. Waden, Schnepplausen und Hebgarn, bis Frankfurt und über Aschaffenburg, und die Frankfurter, Kesselstädter und Steinheimer Fischer auch nur mit fliegendem Garn bis über Aschaffenburg fahren. Im Jahre 1789 waren von den drei Zünften die manchmal strittiqen Grenzen durch den Mainzischen kurfürstlichen Kommissar, Vizedomamtsdirektor Will, wie oben angegeben, klar festgelegt worden.

Auch nach der Ordnung des Kurfürsten Daniel Brendel von Homburg aus dem Jahre 1573 wurde den Fischern das schädliche "Gezäue", d.h. Wurf- und Breitgarn, verboten, da "durch solch verderblich Fischen der Main entblößt wird". So waren die Landesherren darauf bedacht, dass von den einzelnen Fischern kein Raubfang betrieben wurde, so dass jeder Fischer sein Brot habe, und dass bei der großen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Fische "der Arme sowohl wie der Reiche seine nothdurfft am Fischen umb einen ziemblichen pfennig erlangen und bekommen möge".

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) war der Main barmherzig mit Freund und Feind und gab jedem seine Nahrung. Die Not gab jedem, der leben wollte, ein Netz oder ein anderes Fanggerät in die Hand. Die Wildfischerei blühte. Der Main wurde ausgeraubt, auch mit schweren Netzen, die vordem verboten waren. Um dem Wildfischerunwesen ein Ende zu machen, erneuerte und bestätigte Kurfürst Johann Philipp von Schönborn im Jahre 1672 die alte Ordnung (sie befindet sich im Original bei den Akten der Fischerzunft Steinheim), die die Erbfolge und die regelrechte Ausbildung im Fischerhandwerk stützte.

Zu dieser Zeit war es so, dass an der Spitze der alten Steinheimer Fischerzunft der Vorstand mit dem ersten und zweiten Zunftmeister stand. Neben diesen wirkten der Kerzenmeister (der Kassierer) sowie zwei Beisitzer, und als fünftes Mitglied wurde einer von den jüngst ernannten Meistern bestimmt, damit auch dieser bald in den Geist und in die Aufgaben der Zunft eingeweiht wurde und das geschriebene und Gewohnheitsrecht weitergeben konnte, wenn er selbst greiser Fischer geworden war. Der erste Zunftmeister war meist aus Groß-Steinheim. Er hatte die Vertretung nach außen und die Aufsicht über das innere Leben der Zunft. Der zweite Zunftmeister war meist aus Klein-Steinheim. Von den Beisitzern war einer aus Dietesheim, der andere aus Groß-Auheim. Diese beiden achteten auch in ihren Zunftorten auf das berufliche Verhalten ihrer Zunftmitglieder und auf die Innehaltung der Zunftordnung.

Die Zunft übte auch Disziplinargewalt über ihre Mitglieder aus und schloß sie von der Zunft aus, wenn sie sich der Zunftordnung nicht fügten, oder wenn ein Zunftbruder den anderen beleidigt hatte, und diese sich nicht innerhalb 14 Tagen vor dem Kerzenmeister verglichen hatten. Zunftgenossen konnten auch ausgeschlossen werden, wenn sie sich sittlich vergangen, wenn sie gestohlen, wenn sie schlechte und untermäßige Ware oder diese zu niedrigen Preisen verkauft hatten.

(Quelle: "Geschichte der Fischerzunft Steinheim, von Dr. Leopold Imgram, aus dem Jahr 1960)
DIE GESCHICHTE DER ZUNFT




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