Die Fischerordnung von 1672

Wir Johann Philipp von Gottes gnaden des heiligen Stuhls zu Maintz Erzbischoff, des Heiligen Römischen Reichs durch Germanien Ertzkanzler und Churfürst, Bischoff zu Würtzburg und Wormbs und Hertzog zu Franken, bekennen und thun kundt hiermit. Demnach Unß unßere Underthanen die sambtliche Fischer in Unserer Statt und Ambt Steinheimb unterthänigst zu vernehmen gegeben waßmaßen sie hiebevor bey weilandt Unßern Vorfahren Ertzbischoffen und Churfürsten zu Maintz mit gewißer Ordnung versehen gewesen, selbige aber durch das langwiehrige Teutsche Kriegswesen gäntzlich in abgang kommen, worüber bey dem Handwerkh allerhand schädliche Unordnungen und Beschwerungen eingerissen und diesemnach gehorsamst bittend, nachdemahlen Ihnen sowohl alß dem gemeinen Weßen ahn Anricht und Unterhaltung guter Ordnung merklich gelegen, Wir gnädigst geruhen wollten Ihnen angeregte ihre vormalß gehabte Ordnung zu bestettigen auch dergleichen von neuem zu geben und zu ertheilen.

Daß Wir sothane ahn Uns gelangte Bitt auf gemelter Unßerer Unterthanen sonderlichen sowohI alß dem gemeine nutzen und bestes in Gnaden ahngesehen, und denenselben Ihre Ordnung mit guetem Vorbedacht und rechtem wissen Bestättigt, auch dieselben von neuem ertheilt und gegeben haben, nachfolgenden Inhalts:

Erstlichen solle Keiner zum Fisch ahngenommen noch ein Fischer zugelassen werden, er were dan eines Fischers Sohn, aber hette bei den Fischern drey Jahr für einen Jungen gedient oder das Handwerkh anderer orthen redlich gelehrnt.

Zweiytens sollen zwar diejenige, so daß Handwerkh umb daß dritte oder halbe Theil oder gar nicht gelehrnt, aber doch schon lange Jahr selbiges exercirt, vor dießmahlen bey Uffrichtung der Zunft eingelassen werden, jedoch dergestalt daß sie dem Handwerkh zu forderst zehen Gülden erlegen, Ihren Sohn aber gebührend uffdingen und bey anderen Meistern lehrnen lassen, dergleichen aber inß künfftig keiner mehr zugelassen werden solle.

Drittens solle er sich mit gebührlichem Geldt, Wein und Wachs, namblich ein Fremder, der noch nicht in der Zunft ein halben Gulden ahn Geldt, in Pfund Wachs, sechs Batzen Leuchtergeldt und ein viertel Wein, ein Einheimischer oder eines Zunftbruders Sohn wehre, ein Pfund Wachs, sechs Batzen ahn Leuchtergeld, ein Viertel Wein einkaufen und einen ehrlichen und redlichen Namen in die Zunft bringen.
DIE GESCHICHTE DER ZUNFT
Virtens solle keiner zugleich Fischer und Schiffer sein, sondern jedweder seines Berufes warten und niemand dem andren Eintrag thun.

Fünfftens soll das Fischen auff Sonn- und Feyertage, wie auch auff Sonn- und Feyertag Nacht verboten sein bey Straff eines Gulden.

Sechstens solle auff Sonn- und Feyertag abendts vor dem Ave Maria-Leuthen keiner in die Fisch fahren bey angesetzter Straff. Doch können auff den Nothfall die Reusen auff Sonn- und Feyertage mit Erlaubnis der Obrigkeit gehoben werden.

Siebentens sollen die Reusen deß Nachts zu heben verboten sein.

Achtens sollen die Ambtsbach, Herren- und Bohnwasser bei Straff zehen Gulden verboten sein, und darum niemand ohne erlaubniß weder Tags noch Nachts zu fischen Macht haben.

Neuntens Welcher Fischer Ländtschiff (Ländtschiff = 1/2 Nachen, Kopf gegen den Strom verankert. Die Barben überwinterten in diesem Ländtschiff, das nach der Eiszeit des Winters an einer Kette hochgehoben wurde) begehrt zu legen, soll mit den anderen losen und einleg umb die andere verloßet werden.

Zehendens soll in Einem Hauß mit zwey Schelchen oder mit zwey Gahrnen zu fahren verbotten sein bey straff zweyer Gulden.

Elfftens sollen alle langen Schnüre verboten sein und keiner mehr alß achtzehen Querschnüre legen bey Straff eines halben Gulden, so offt daß geschiht.

Zwölfftens sollen die Breitgarn gantz und gar verbotten sein, eß sey denn daß eß mit obrigkeitlicher Erlaubnis geschehe.

Dreyzehendens sollen die Setzgarn uff Johannistag des Erstemahl zu setzen erlaubt sein, und solle mit gemeltem Setzgarn eine Ordnung gehalten werden, damit keiner den anderen übervortheilen möge (damals Hauptfischereiart).

Vierzehendens soll des Nachtleuchten Garn steckhen Kockel (Kugel mit Explosionsstoff) einwerfen verbotten sein bey Straff zehen Gulden.

Fünffzehendens Wan einer geschlagen were soll ers inner vierzehen Tagen dem Kertzenmeister ahnzeigen und sich mit seiner Gegenparthey in den nechsten vierzehen Tagen oder vier Wochen im Beysein des Kertzenmeisters vertragen oder das Fischen vermeiden, bis es wieder gutgemacht ist (Schiedsgericht, unter Umständen Ausschluss). Auch da er es über die Zeit bestehen ließ gar aus der Zunfft sein.

Sechzehendens Wan einer in der Zunfft were und sich unredlich machte, daß man verursacht were, Ihn aus der Zunfft zu thun, solle das Fischen auch verbotten sein.

Siebzehendens soll auch keiner mehr alß sieben Kochen Steckhen zu setzen erlaubt sein bey Straff ein Gulden.

Achtzehendens Die Fischtax betreffendt wollen sie Fischer der Obrigkeit nicht ein- oder vorgreiffen, sondern dieselbe wird nach Erkandtnis der Zeit und des Taxes anderer Orthen Tagtax jährlich festgesetzt, deme sich davon jeder gemäß verhalten oder sich obrigkeitlicher Straff unterwerffen solle.

Neunzehendens sollen die Weißfisch zween Pfenning, die Barbe drey Pfenning und andere bessere Fisch ein Creutzer wohlfeiler den hiesigen Bürgern alß den Frembten verkaufft werden.

Zwantzigstens sollen keine Fische von hier außerhalb getragen oder verkaufft werden, es seyen dan dieselben zuvor allhier feilgeboten worden.

Letztlichen, Wan auch gesambte Zunfftbrüder die zur Leich oder Gebott (Das Gebot war die regelmäßige Zunftversammlung) beruffen würde, und sie darüber außbleiben ohne erhebliche Ursach, soll ein Viertel Wein und ein Pfund Wachs zur Straff angefordert und damit sich mit der Unwissenheit hierinnen Keiner zu entschuldigen habe, soll diese Ordnung den Fischern jährlich uff Pfingstdienstag bey offtentlich versambleter Zunfft inßgemein vorgelesen werden.

Diesemnach Unsern Ober- und Unterbeamten Unseres Ambts Steinheimb gnedigst befehlen, dass sie obgedachte Meister des Fischerhandwercks bey dieser Ihnen bestetigten und von neuem gegebenen Ordnung bleiben lassen, darwieder nicht beschweren noch daß es von andern geschehe, gestatten, sondern sie dargegen darbey vielmehr schützen und handhaben. Auch Dahin sehen sollen, damit die verfallenen Straffen zue zweyen Drittheilen gebührend eingebracht und uns verrechnet, dem Handwerkh aber ein Drittheil davon gelassen werde.

Zu Urkhund dessen haben Wir Unser Kantzley Secret Insigel an diesen Brieff hencken lassen.

Der geben ist zue St, Martinsburg in unserer Stadt Maintz den sechsten Monatstag Aprilis im sechzehnhundertzweyund-siebenzigsten Jahr.

(Quelle: "Geschichte der Fischerzunft Steinheim, von Dr. Leopold Imgram, aus dem Jahr 1960)
Fischerordnung des Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn, aus dem Jahre 1672.
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