Die Geschichte der Fischerzunft e.V. Steinheim
am Main im Überblick


- Festrede zum 575-jährigen Bestehen der Zunft -

Im Jahre 1425 schlossen sich die Fischer von Dietesheim, Steinheim und Großauheim zusammen und gründeten die Steinheimer Fischerzunft. Ihre Entwicklung ist bis heute fest mit der Geschichte der hiesigen Maingegend verknüpft und hat diese in den vergangenen Jahrhunderten maßgeblich beeinflusst. Zusammen mit den Fischerzünften von Flörsheim, Höchst, Frankfurt, Seligenstadt und Aschaffenburg zählt die Steinheimer Zunft zu den bekanntesten und ältesten am gesamten Untermain.

Während die Fischerei in früheren Tagen in erster Linie dem Broterwerb galt, so wuchs im Zuge der aufkommenden Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunders auch die naturschützerische Bedeutung der Fischerzunft. So heißt es in der im Jahre 1960 veröffentlichten Geschichte der Fischerzunft Steinheim zu den Aufgaben der Zunft: "Auch die heutige Zunft hat den Zweck, die alten vererblichen aus uralter Zeit herrührenden Fischereigerechtsame zu erhalten. Sie überwacht die Ausübung der Fischerei ihrer Mitglieder und der Angler, für die sie die Erlaubnisscheine ausgibt. Sie sucht die Fischzucht im Main zu fördern durch Schonreviere für Laich- und Hegeplätze sowie durch Fischeinsatz. (...) Sie bekämpft die Verunreinigungen des Mains und sucht alle Schädigungen der Fischerei abzuwehren."

Zur Zeit der Gründung der Fischerzunft war der Main noch einer der fischreichsten Flüsse in Europa. Dies hat sich im Laufe der Jahrhunderte durch zahlreiche Begradigungs- und Regulierungsmaßnahmen, welche den Fischen systematisch den Lebensraum entzogen haben, radikal geändert. Wo früher noch Buchten und Gestrüpp den Fischen Laich- und Futterplätze boten, befinden sich heute steile Steinufer, an die die Fische bei starkem, durch den regen Schiffsverkehr verursachten Wellengang geschleudert werden und dort jämmerlich verenden. Hinzu kommt, dass die meisten Schleusen am Untermain nicht über eine sogenannte Fischtreppe verfügen, so dass die Wanderbewegungen der Fische meist ein jähes Ende in den Turbinen der Schleusen finden.

Um dem entgegenzuwirken, führt die Fischerzunft unter anderem jedes Jahr umfangreiche Besatzmaßnahmen durch. So waren es im Jahr 1999 beispielsweise 13.000 Jungaale, 3.000 Karpfen und 3.000 Schleien, mit denen die Fischer den Main bereichert haben, und im darauf folgenden Jahr wurde diese Zahl noch einmal nahezu verdoppelt. Weiterhin versucht die Fischerzunft in Zusammenarbeit mit der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Einfluss auf den weiteren Flussausbau und mögliche Regulierungsmaßnahmen zu nehmen. So ist geplant, die entsprechenden Staustufen im Main mit modernen Fischpässen auszustatten, die sogar eine Rückkehr des Lachses in den Fluss ermöglichen würden. Die dafür nötige Wasserqualität ist bereits heute vorhanden. Sie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich verbessert, und liegt inzwischen wieder bei Stufe 2., also beinahe bei Trinkwasserqualität. Ein eindeutiges Zeichen hierfür sind auch die wieder in den Main zurückgekehrten Flusskrebse.

Trotz des geänderten Anforderungsprofils, das die heutige Zeit an einen Fischer stellt, hat sich die Fischerzunft Steinheim auch ihre Tradition bewahrt. Zu den Voraussetzungen, die an ein Mitglied gestellt werden, damit er als Geselle in die Zunft aufgenommen werden kann, zählen Nachen fahren (Rudern, Motor, Fahrbaum), Fischereigrenzen kennen, Fischarten im Main kennen und unterscheiden können, Eckpunkte der Fischergeschichte kennen sowie Fische ausnehmen können. Um zur Prüfung zum ordentlichen Fischermeister zugelassen zu werden, muss das Mitglied einen Wurfgarn werfen können, einen Wurfgarn stricken und flicken können, die Grundlagen des Fischereigesetzes kennen sowie Knoten und Festmacherstege können. Seit 1998 können im übrigen sowohl Söhne als auch Töchter von Fischermeistern als Mitglied in die Fischerzunft aufgenommen werden.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es heutzutage nur wenige Vereine gibt, deren Mitglieder durch eine jahrhundertealte Tradition und Geschichte so mit der Vergangenheit verbunden sind, wie die alten Fischerzünfte am Main. Sie haben Kriegen, Wirren, Staatsumwälzungen und Revolutionen getrotzt - ja, ganze Staaten sind am Main entstanden und wieder zugrundegegangen, aber die Zünfte haben es überdauert. Auch wenn sich die Aufgaben und Ziele insbesondere in den letzten 100 Jahren geändert haben mögen - eines hat sich nicht geändert: damals wie heute war und ist die Fischerzunft Steinheim eine lebendige Organisation, und sie wird auch im neuen Jahrtausend die an sie gestellten Anforderungen in Angriff nehmen und bewältigen. Aufbauend auf den Erfahrungen und dem Wissen aus der Geschichte sieht die Fischerzunft Steinheim ihre Gegenwart und ihre Zukunft in besonderem Maße in der Verantwortung für die Natur und hier speziell für das Fischgewässer Main.

(Karl-Heinz Adam, Ralf C. Adam)




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DIE GESCHICHTE DER ZUNFT
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